50 Jahre Geldautomat

Die Europäer, ihre Geldautomaten und Ärger mit Payeer

Dass man früher ein ganzes Wochenende ohne Bargeld aushalten musste, wenn man es nicht rechtzeitig zum Bankschalter geschafft hat, kann sich heute keiner mehr vorstellen. Der Bankautomat wird dieser Tage 50 Jahre alt und hat das Leben seitdem ein ganzes Stück leichter gemacht. Nun kann sich jeder, vor allem zur Freude bargeldbegeisterter Länder wie Deutschland, zu jeder Tages- und Nachtzeit frische Scheine ziehen.

Zu den Geldautomaten gehören dann natürlich auch die unvermeidlichen Plastikkarten ohne die so ein Selbstbedienungstresor nicht funktioniert. Vornehm nennt man die Plastikplatte ja Bankkarte. Noch vornehmer – Kreditkarte! Welchen Schrott wir uns mit diesem die Umwelt verseuchenden Plastikmüll haben an’s Bein binden lassen, beweist dieser Tage die Firma Payeer. Dieser Zahlungsprozessor ist für Geld-Aktivitäten im Internet nahezu unerläßlich und eine der wenigen Optionen, in der virtuellen Welt herumgeisterndes Kapital mittels Kreditkarte wieder zurück in die reale Welt zu holen. Ohne Bankautomat keine Kreditkarte, ohne Kreditkarte keine Internetgeschäfte und kein Bargeld.

Wirklich? Wehe, wenn Du auf so ein Plastikteil angewiesen bist! Seit mehr als drei Tagen nun, lassen sich die Payeer-Kreditkarten nicht mehr mit Euros aufladen. Begründung? Keine natürlich! Payeer ist eine russische Firma, da haben Kunden keine Auskunfts- oder andere Rechte – außer Gebühren zu bezahlen und miserablen Service zu genießen. Lapidare Rückmeldung des Supports:

„pay_sys_no_isset – Withdrawal to EUR is currently unavailable. Available currencies are USD“.

Ach ja – hier fehlt ein Stück vom Text. Heute morgen war da auch noch der Hinweis, man wisse nicht wie lange der Zustand andauern werde.

Gäb’s den Bankautomaten nicht, gäbe es Firmen wie Payeer nicht und alle Geldgeschäfte müssten weiterhin per Bank abgewickelt werden. Und zwar in beide Richtungen, die Ein- und die Auszahlungen. Das erscheint mir angesichts der Scherereien mit der Payeer-Karte und dem andernorts gepflegten Verifizierungswahnsinn, wie zum Beispiel bei AdV, immer noch als die sicherste und einfachste Methode. Besonders wenn ich da an „Sofortüberweisung“ denke. Aber auch wenn der Bankenweg allgemein langsamer ist – auf ihm kommt man wenigsten wieder an sein Geld. So aber frönen wir einem vermeintlichen Fortschritt mit Plastikkarten, Zahlungsprozessoren und Bankautomaten, ohne zu bemerken, mit welch subtilen Methoden wir als Verbraucher ausgebeutet, beraubt und in Abhängigkeiten getrieben werden.

Wir gratulieren dem Bankautomat zu seinem 50sten und uns zu diesem phänomenalen Fortschritt.

Bei der Anzahl der Geldautomaten liegen die Österreicher vorn, wie Zahlen der EZB zeigen. Auf eine Million Einwohner kommen ganze 1.600 Geldautomaten – fast doppelt so viele wie der EU-Durchschnitt. Generell liegt die Anzahl im Euroraum etwas höher als im Durchschnitt aller EU-Länder. Die wenigsten Automaten gibt es in Schweden. Hier teilen sich eine Million Einwohner lediglich 335 Automaten. In Finnland ist die Anzahl der Geldautomaten in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen und lag 2015 bei nur noch 372 pro einer Million Einwohner. Die Grafik von Statista zeigt die Anzahl der Geldautomaten je Million Einwohner in ausgewählten Ländern Europas im Jahre 2015.

Infografik: Die Europäer und ihre Geldautomaten | Statista